Innere Künste
Tai Chi Chuan Qi Gong Liu He Ba Fa
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Als erstes möchte ich an der Stelle eine Bemerkung über die Schreibweise der chinesischen Begriffe machen. Ich persönlich habe nichts dagegen, die offizielle, von China angestrebt Pinyin-Lautumschrift zu benutzen, doch hatte sich im englischen und in unserem Sprachraum vorher schon die Wade-Giles Transkription weit verbreitet.
Beide Schreibweisen sind gebräuchlich, die Eine aus der Vergangenheit herrührend, aus alten übertragenen Dokumenten, die Andere als zukünftiger Standard. Für mich gehören beide Lesarten mittlerweile zur üblichen schriftlichen Kommunikation.
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So kann es durchaus vorkommen, daß ihr einmal "Tai Chi Chuan" aber auch "tai-ji-quan" in meinen Texten vorfindet. Ich kann euch versichern, man gewöhnt sich dran, es sei denn man sucht das Haar in der Suppe.
Über Chinas lebendige Tradition des Gungfu, oder Kungfu, authentisch zu reden ist für einen Ausländer sehr schwer. Erstens können wir uns mit der chinesischen Kultur kaum identifizieren, und zweitens, hab ich doch mal irgendwo gelesen, daß es allein im Wushu, also den Kampfkünsten, schon über 600 verschiedene Stilrichtungen geben soll. Im Qi Gong sieht es nicht viel besser aus, auch dort reden die Einen von etwa 800, die Anderen von über 5000 verschiedenen Bewegungen. Unzählige Stile, Formen und Zusammenstellungen sowie Fusionen der verschiedenen Übungen lassen uns "Langnasen" schier verzweifeln und in diesem Meer von Informationen "ertrinken".
Da einen Überblick zu erlangen, dürfte einem einzelnen Menschen schwer fallen. Selbst Eingeweihten und Kennern der Materie fällt es schwer zu allen Ideen qualifizierte Aussagen zu treffen. Und für sich den richtigen Lehrer zu finden ist auch nicht ohne.
Wie ihr jetzt vielleicht versteht, begibt man sich bei solch umfassenden Begriffen wie "Qi Gong" oder eben "Innere Künste" auf sehr dünnes Eis, denn bei der Vielfalt der Konzepte, Stile und Ideen würde es für einen Perfektionisten echt schwer sein, eine Zusammenfassung zu erstellen.
Was allerdings die inneren Künste verbindet und sie von den Äußeren unterscheidet, ist der gravierende Unterschied in der Kraftübertragung / Kraftwirkung auf den Gegner, denn das, was wir heute oft nur noch als "Gesundheitssport" betreiben, hat eine lange Tradition und ist als Kampfkunst oder Selbstverteidigungskunst geboren.
Während man für gewöhnlich den Wirkungsgrad eines Angriffs mit Schwung, Geschwindigkeit oder Masse zu verbessern sucht, mißt man diesen Aspekten in den inneren Künsten eher eine geringere Bedeutung zu. Das Primat bildet hier vor allem anderen das Qi, also die "Lebensenergie". Weitere wichtig Anhaltspunkte sind Entspannung, Leichtigkeit, Fluß, Weichheit und minimaler Einsatz von Kraft bei gleichzeitiger ständiger Verbesserung von Statik, Struktur, Verwurzelung und der Kontrolle der Distanz-Räume.
(Schaut euch doch zum Tema "Qi" mal folgenden Videoclip von Meister John Chang an, das erspart mir auch viel Schreiberei zu diesem Thema, übrigens ist das Buch "Nei Kung", daß von ihm handelt, auch sehr gut.)
Ein wichtiger Bestandteil der inneren Künste, so scheint mir, ist das ständige Beobachten der inneren Reaktionen, der Leichtigkeit der Ausführungen. Läßt man sich dabei nicht durch andere äußere Einflüße ablenken, erreicht man das, was "Meditation in Bewegung" genannt wird.
Meines Erachtens streben alle Menschen tief in sich die Harmonie aller Wesenszüge an, doch wir legen im Alltag ein zu starkes gewicht auf das "Tun" und auf "Ergebnisse". In den inneren Künsten, so verstehe ich es jedenfalls, liegt der Schwerpunkt auf dem "Sein" und auf "Ergebnislosigkeit", einem Zustand des "Nichtverhaftetsein mit" irgend etwas. Ein freudiges Anerkennen von dem was ist und von dem was nicht ist.
Hört sich für einen Außenstehenden natürlich erstmal kompliziert an, doch die Essenz wird beim eigenen Praktikum einer inneren Kunst relativ schnell klar.
Man könnte auch allgemein formulieren, daß es permanent um das Wohlfühlen geht. Schafft man es diesen Aspekt in die Bewegungen zu integrieren, so verlieren sich nach und nach alle anderen Bestrebungen, und diese Aussage wurde durch viele Meister vorher, an die jeweils nachfolgende Generation ihrer Schüler, mit folgenden Worten übermittelt: "Der Weg ist das Ziel." |
"Es ist leicht, jene zu
überwältigen,die nicht vorausgedacht haben." (Li Quan)
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